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Saturnmond Enceladus – Ein Indirekter Hinweis auf Leben?

Am 27. März 2012 hat die NASA-Sonde Cassini ihren bisher nahesten Vorbeiflug über den Südpol des Saturnmondes Enceladus absolviert. Der Mond hat nur einen Durchmesser von gut 500 km, verfügt aber über ein eigenes Magnetfeld. Die gesamte Oberfläche ist mit hellem Wassereis bedeckt und die Albedo deshalb mit 0,99 extrem hoch. Da praktisch alles Sonnenlicht reflektiert wird, ist es an der Oberfläche mit teilweise unter -200°C bitterkalt. Doch es gibt Eisvulkane und eine geologisch hochaktive Region am Südpol. Das Oberflächeneis ist hier von parallelen, hunderte Kilometer langen und einige hundert Meter tiefen Spalten, den sogenannten Tigerstreifen durchzogen.

In der geologisch hochaktiven Südpolregion des eisbedeckten Saturnmondes Enceladus sind die Tigerstreifen gut zu erkennen. Quelle: NASA-JPL

Im Inneren des Mondes gibt es eine starke Wärmequelle, wahrscheinlich durch radioaktive Zerfallsprozesse, vor allem aber durch gewaltige Gezeitenkräfte des Planeten Saturn, der seinen Mond förmlich „durchknetet“. In den Tigerstreifen gibt es zahlreiche Geysire, die immer wieder ausbrechen. Cassini durchflog schon mehrere Male die Geysirfontänen und fand Eispartikel, Wasserdampf, Methan, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Salze und komplexe organische Verbindungen.

Geysire in der Südpolregion des Eismondes Enceladus. Quelle: NASA-JPL

Unter der Eisdecke von Enceladus befinden sich offensichtlich größere Mengen an flüssigem Wasser, vielleicht sogar ein globaler Ozean. Das Wasser auf Enceladus hat einen Salzgehalt wie das Meerwasser der Ozeane auf der Erde, zeigen die neuesten Meßergebnisse von Cassini. Das könnte meines Erachtens tatsächlich ein deutlicher Hinweis auf Leben sein! Der Salzgehalt der Ozeane auf der Erde liegt bei etwa 3,5%. Das ist weit unter der Sättigungskonzentration und genau richtig für Leben wie wir es kennen, denn zuviel Salz zerstört die Biomembranen der allermeisten Zellen! Doch normalerweise sollte der Salzgehalt der Ozeane im Laufe der Jahrmillionen immer weiter zunehmen. Auch wenn durch Tonminerale und Verlandung – das Wasser verdunstet und lässt eine Salzkruste zurück – den Ozeanen immer etwas Salz entzogen wird, der Salzeintrag in die Ozeane ist deutlich höher: Das Salz wird aus Gesteinen ausgewaschen, entweder unter Wasser oder an Land, wo es dann über den Regen und mit dem Wasser der Flüsse in die Ozeane gelangt. Durch Vulkanismus wird unter Wasser und an Land ständig neues Gestein mit viel Mineralien zum Herauslösen nachgebildet. Die gleichen Prozesse dürften sich auch auf Eceladus abspielen, nur das es da kein Land, kein Regen und keine Flüsse gibt und daher alles unter Wasser geschieht. Immer salziger werdende Ozeane wären für alles Leben auf der Erde eine tödliche Bedrohung. Schon bei einem Salzgehalt von etwas über 4% wird es kritisch und spätestens bei 5 bis 6% werden auch bei den widerstandsfähigsten Organismen wichtige Zellfunktionen blockiert. Doch die Ozeane der Erde blieben lebensfreundlich! Es muß also Regulationsmechanismen geben, welche den Salzgehalt (nahezu) konstant hielten. Auf der Erde entsalzt das Leben selbst die Ozeane. Einzellige Kiesel- und Kalkalgen bauen in ihre festen Schalen neben Silikaten und Kalk auch Salze ein. Wenn die Algen absterben bilden ihre Schalen Sedimente aus Kalkstein. Die darin enthaltenen Salze bleiben den Ozeanen dann für eine längere Zeit entzogen. Ob etwas Ähnliches auch auf dem Saturnmond Enceladus geschieht?!

Jens Christian Heuer

Quelle: NASA Cassini-Huygens

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